freiWERDEN

Hier geht es um das Thema Kindheit, Sein und Werden (=Lernen).
Konkret um Sein und Werden/Lernen meiner Kinder in unserer Familie und in Kindergarten und Schule (oder eben auch nicht!).
Untrennbar verbunden mit meinem Elternsein und Werden (=Lernen).
Runtergebrochen dreht es sich somit also um das Thema Menschsein.
Sämtliche Artikel und Beiträge mit meinen Gedanken und Erfahrungen dazu, erscheinen  künftig in den beiden Unterkategorien
„Schulfrei/Kitafrei“ und „Freie Kindheit“.

Warum „freiWERDEN“ und nicht „Freilernen“?
Ich möchte uns keiner Gruppe zuzählen.
Wir sind weder Freilerner, noch Home- oder Unschooler.
Ich verfolge weder eine bestimmte Methode noch einen klassifizierbaren Lebensweg, der uns einer der zahlreichen Communities zuordnen könnte. Selbstbestimmung, um die es mir dabei geht, beschränkt sich nicht nur auf das Thema Lernen, sondern auf sämtliche Lebensbereiche. Es ist mir wichtig dies nicht nur inhaltlich, sondern auch begrifflich zusammen zu bringen.
freiWERDEN- frei sein, zu werden, wer und was immer man sein möchte!

Ebenfalls benenne ich mich nicht als „Unerzogen“, auch wenn ich die Haltung von der Gleichwertigkeit aller Menschen, welche dem erziehungsfreien Gedanken zu Grunde liegt, von Herzen teile. Ich verweigere mich jedem Stempel und jeder von aussen „angebotenen“ Schublade, denn auch das ist für mich gefühlt vor allem eines- unfrei.
Wir sind schlicht eine Familie, die die Freiheit jedes Einzelnen, als essentiellen Wert eines respektvollen Miteinanders zu leben versucht. Der Eltern aber auch die Freiheit der Kinder- frei in ihren Möglichkeiten, trotz naturgegebener Abhängigkeit von uns Erwachsenen!
Unsere Freiheit. Nicht Freiheit definiert nach Begrifflichkeit gemäß einer, letztlich auch nur aus menschlichen Meinungen entstandenen Bewegung, die für mich keinerlei Richtwert für mein Denken darstellt. Am Ende ist und bleibt alles lediglich Meinung. Auch meine! Immer gut dennoch, eine eigene zu haben und darin flexibel und somit eben wirklich meinungsfrei zu bleiben. Auch wenn sich einzelne oder gar Gruppen angegriffen fühlen, dient das kundtun meiner Meinung weniger der Entkräftigung anderer, als schlicht dem Ausdruck meiner Person und bei Interessen von Herzen der Inspiration und Anregung dazu, sich auseinanderzusetzen. Weniger mit mir, als mit sich selbst.
Auseinandersetzung und Austausch führen zu Vorwärts-Bewegung, an derer Potenzierung ich mich gern beteiligen möchte.

Das Thema Freiheit umfasst natürlich gerade in Bezug auf Kinder, zu einem Großteil auch den Aspekt des Lernens, der meiner Auffassung nach weder angetrieben noch verstärkt werden muss. Der Wunsch, das Streben nach Wachstum (=Werden) ist unser menschlicher, naturgegebener Antrieb. Leider wird Kindern in der Regel meist früher, manchmal auch etwas später, ihr gesetzlich verankertes Recht auf freie Persönlichkeitsentfaltung (Artikel 2 des Grundgesetzes!) abgesprochen und im gleichen Schritt damit dieser natürliche  Werde- und Lernprozess gestört oder gar beendet. Selbst bei sehr bedürfnisorientiert aufwachsenden Kindern, wird spätestens mit Schulbeginn aus dem von kindlicher Neugierde angeregten, und so von  innen heraus motivierten Lernen, eine zweckdienliche, oftmals erzwungene Sache. Eine Notwendigkeit, die ein Kind in erster Linie leider häufig nur tut, weil es sie tun muss, und sie ihm dazu dient, gute Noten und mit diesen Anerkennung zu erhalten.
Dies halte ich in der üblichen Form, wie kindliche Bildung forciert wird, weder für richtig und schon gar nicht für insoweit notwendig, als dass ich eine Schulpflicht, wie wir sie kennen, als gerechtfertigt sehe.

Das häufige Problem mit der Erziehung
Die uns allen (zu recht) so wichtigen Fähigkeiten, wie Empathie und soziales Verhalten beispielsweise, kann man meiner nicht nur Überzeugung, sondern auch Erfahrung nach, keinem Menschen erzieherisch „beibringen“. Man kann Kinder nicht aktiv zu mitfühlenden Wesen ‚machen‘. Diese Softkompetenzen bilden sich genau so heraus, wie wir sie unseren Kindern, und unter kindlicher Beobachtung auch anderen Mitmenschen inklusive uns selber, entgegen tragen.

Üblicherweise wird auf unangepasstes kindliches Verhalten missbilligend, korrigierend und mit Sanktionen reagiert, statt auch (gerade!) jetzt annehmend und mitfühlend auf das Kind einzugehen. Wie aus dieser Erfahrung, welche die meisten Kinder mehrmals täglich machen, empathisches Verhalten erwachsen soll, ist mir schleierhaft. Da Kinder überwiegend durch Vorleben, schlicht Verhalten durch Nachahmen übernehmen, lernen sie dadurch nicht , was man ihnen, in sicherlich zwar guter erzieherischer Absicht, vermitteln möchte. Sie lernen ganz einfach das, was sie dabei real erfahren:

  • Wer die Macht hat bestimmt.
  • Gefühle zeigen ist nicht erwünscht.
  • Ich werde mehr gemocht, wenn ich anders bin.
  • Wie ich bin, ist es nicht richtig.

Sie schlussfolgern: Ich muss mich ändern, um zu gefallen. (Wie es von allzu vielen Erwachsenen heute gelebt wird- leben, um (anderen) zu gefallen- ganz so, wie es uns selbst von kleinauf nahegelegt wurde.) Auf die Weise formen wir uns gut erzogene, brave Bürger der Gesellschaft. Menschen, die gelernt haben sich anzupassen und mehr oder weniger gut in der Lage sind, gewünschtes Verhalten abzurufen.
Wer will das?
Wem dient das?
Wie moralisch ist es, Kinder zum Erziehungs-Objekt zu degradieren?
Wie würdevoll? Tönt es doch allerorts stets „Die Würde des Menschen sei unantastbar!“ Das scheint, wenn überhaupt, lediglich für große Menschen zu gelten.

Kinder sind kein Mittel zum Zweck- außer ihrem eigenen!

Wahrhaft emphatische Menschen, die sich wirklich in andere einfühlen können, statt lediglich „Tut mir leid!“, „Bitte!“ und „Danke!“ auf Knopfdruck abzuspulen, gibt es wenige. Mit ein Grund, weshalb die Welt ist, wie sie ist. Sie wird so bleiben, wenn sich an unserer Sicht auf die Kindheit nichts ändert.

Ein Kind, welchem wertschätzend begegnet wird, übernimmt automatisch genau diesen Blick auf andere Menschen.

Erziehung muss demnach vielmehr bedeuten, selbst das zu sein, was wir von unseren Kindern wünschen. Vor allem könnten wir dann endlich damit aufhören, von ihnen überhaupt irgendetwas zu wünschen und ihnen stattdessen vertrauen- sie freiWERDEN lassen.

Wissen, Bildung, Lernen
Grundsätzlich ist wirklich nachhaltiges Lernen (und nur das scheint mir sinnvoll) ohnehin nur möglich, wenn der Lerninhalt von Interesse für den Lernenden ist. Das bedeutet für mich, dass es genügt, den zahlreichen (vorhandenen) kindlichen Interessen Raum zu geben, ausgelebt zu werden. Unsere Pflicht als Eltern ist es meiner Meinung nach, unseren Kindern Zugang zur Welt zu ermöglichen, damit sie aus ihr schöpfen können- sie hält alles, wirklich alles bereit! Das müssen nicht kostspielige Reisen sein- „raus“ gehen, täglich ein Stück Natur (ein Stück Welt!) in die Hand nehmen dürfen, die Umwelt und unbedingt auch die Menschen darin wirklich erleben, begreifen zu dürfen- das ist es, was Kinder wollen- teilhaben und dazu gehören.
Das echte Leben inspiriert echt zu leben- zu werden, wer man ist.
S
ein will, statt sein soll, und darum geht es mir.

Beispiel Kindergarten, wie er heutzutage üblicherweise Norm ist.
Kinder zu betreuen, deren Eltern berufstätig sind, Familien zu entlasten- wunderbar und wichtig! Nur warum geschieht dies in Kunstwelten? Ich meine, wie natürlich ist es bitte, mit 20 Kindern ungefähr gleichen Alters und nur 2-3 Erwachsenen stundenlang in einem Raum zu sitzen?
Wohin soll das führen und tut es das tatsächlich?

Bildung, mir relevant erscheinende Zusammenhänge wirklich zu erkennen, (dazu) zu lernen ist mir durchaus wichtig. Für mich gibt es wenig befriedigenderes, als mich mit Dingen, die mich wirklich interessieren in der Tiefe zu befassen und darin voranzukommen- mit ihnen und meinen Gedanken zu spielen und sie dabei, so gänzlich es mir möglich ist, zu erfassen. Genauso spannend finde ich es aber auch, bisher Unbekanntes für mich zu entdecken, mich davon begeistern zu lassen. Beides betrachte ich als essentiell für meine persönliche Weiterentwicklung, und weiter finde ich in jedem Fall erstmal grundsätzlich gut.

Das Ziel aber ist Erkenntnis, nicht bloßes Wissen- was das angeht, bin ich wohl noch ein wahres Kind.

Und überzeugt:

Erkenntnis macht frei, Bildung fesselt, Halbbildung stürzt in Sklaverei
{Wilhelm Raabe}

Die Welt braucht heute keine Menschen mehr, die über soviel wie möglich im Bilde sind. Nicht in einer Zeit, in der sich wenig leichter „besorgt“ werden kann, als Wissen. In sehr vielen Fällen absolut ausreichend, dies erst dann zu tu, wenn es gebraucht wird.
Mit der immer weiterschreitenden Digitalisierung, wird es zudem ohnehin ganz bald schon für viele heute als erstrebenswert geltende Berufe, Maschinen und Roboter geben. Ich habe diesbezüglich wenig Zweifel und mitnichten Angst davor, sehe ich diese Entwicklung als unsagbar große Chance für die Menschheit, wieder ein stück weit zu sich selbst zu finden und dadurch mehr innere Freiheit zu erlangen. Die Welt braucht heute und (voraussichtlich auch) künftig Menschen, die den Dingen ihr Herz öffnen, ihnen ganzheitlich begegnen, sie somit auch ganzheitlich begreifen und deshalb mit Liebe und Enthusiasmus tun WOLLEN, statt nur arbeiten zu MÜSSEN. Die Welt braucht freie, zu SEIN und SCHAFFEN (=WERDEN), intrinsisch motivierte Menschen.
Nur solche Menschen sind wirklich zufriedene Menschen. Zufriedenheit ist meiner Meinung nach eine der Grundvoraussetzungen für Frieden. Frieden mit sich selbst, in der Familie, der Gesellschaft und letztlich ja, so abgedroschen es klingen mag- Frieden auf dieser Erde!
Dazu braucht es Fähigkeiten, die bereits in jedem von uns von Natur aus angelegt sind. Softskills, wie Empathie, Begeisterungsfähigkeit und den natürlichen Wunsch zu einem echten Miteinander. Damit diese Anlagen sich zunächst voll entfalten und dann aber auch nicht im Laufe von Erziehung und elterlicher, später schulischer Prägung abhanden kommen, ist es wichtig den Begriff Kindheit neu und angemessen zu definieren.
Angemessen gemessen an dem, was ein Kind ist- ein vollwertiges, ernstzunehmendes, wenn auch schützenswertes Mitglied der Gesellschaft. Ein Mensch, wie jeder andere auch. Kleiner, aber ebenso wertvoll ,wichtig und richtig, wie es ist!

Was ich hier sehr deutlich betonen möchte: Es geht mir dabei nicht darum, einen Weg aufzuzeigen, wie das Kind zu einem möglichst sinnvollen, produktiven Mitglied der Gesellschaft wird. Auch nicht darum, Kindern bestimmte Dinge beizubringen, damit sie sich erfolgreich positionieren können im späteren Berufsleben. Schön, wenn das dabei rum kommt- klar! Diese Betrachtungsweise aber ist für mein Empfinden eine enorme Objektivierung des Kindes, bei der sich der Erwachsene anmaßt, das Kind für seine Zwecke zu missbrauchen. Das ist übergriffig und für mich ethisch fragwürdig. Mir geht es vor allem um die moralische, MENSCHLICHE Betrachtungsweise. Kinder haben ein Recht auf eine freie Kindheit, die ihnen genau eines ermöglicht- Mensch zu sein. Wertgeschätzt zu werden, aufgrund dessen, was und wer sie sind. Zu werden und zu bleiben. Das das womöglich dazu führt, dass so aufwachsende Kinder später einen enormen Mehrwert für die zukünftige Wirtschaft darstellen könnten, weil diese eben genau die Kompetenzen, die diese Kinder in aller Ruhe ausbilden durften, benötigen wird- wunderbar.
Wenn das jedoch der Antrieb ist, sind wir genau dort, wo wir, zumindest ich, war und weg möchte, nämlich weg davon den Wert eines Menschen an dem Output seines Input in die Allgemeinheit zu messen. Genau dieser Maßstab setzt Eltern, Lehrer und alle anderen Menschen, die mit Kindern zu tun haben unter den Druck, alles dafür zu tun, den Wert ihrer Schützlinge zu steigern. In der guten Absicht das beste für ein Kind zu wollen, ihm Anerkennung und Wertschätzung in seinem Leben zu ermöglichen, führen diese daraus resultierenden Erziehungsbemühungen und Bildungsversuche zu einer, in meinen Augen erzwungenen und unnatürlichen Verformung der kindlichen Persönlichkeit. Ganz klares NEIN! Der Wert eines jeden Menschen ergibt sich allein aus der Tatsache, dass er ein Mensch ist!
Klein oder groß, ganz egal wie kategoriesierbar aufgrund ganz egal welcher Merkmale- jeder Menschen ist gleichviel wert wie ein anderer.
Davon aber einmal abgesehen, ist es ohnehin sehr anmaßend zu meinen, man könne wirklich verlässliche Aussagen hinsichtlich dessen treffen, was die Zukunft bringen und die Welt daher garantiert benötigen wird. Worüber wir diesbezüglich sprechen ist nichts weiter als Spekulation- wir wissen es einfach nicht! Wir können unsere Kinder nicht auf die Zukunft vorbereiten, weil wir von dieser schlicht keine verbindliche Ahnung haben.
Am Ende treibt uns hier die Angst, und diese halte ich grundsätzlich erstmal für einen inkompetenten Motor.

Wer wir als Kind sein dürfen legt fest, wer wir als Erwachsener sind. Wünschenswert wäre ein Erwachsener, dem innewohnt, was den Menschen in seiner Tiefe ausmacht. Unverändert. Echt. GUT!
Mit dem naturgegebenen Verlangen der Welt Bereicherung zu sein.
Als er selbst statt der, der er sein soll!

Mitgefühl oder auch gesunde Selbstachtung bspw. kann man nicht einfach später mal studieren. Allein deshalb schon wäre es sinnvoll, die Möglichkeit zu haben, diese so wichtigen Kernkompetenzen in jungen Jahren selbstverständlich und in aller Ruhe ausbilden zu dürfen. Ansonsten muss sich wohl irgendwann darüber Gedanken gemacht werden,  dieses Rüstzeug als Pflichtstudiengang anzubieten…

Das benötigt wenig, aber viel Vertrauen. Vertrauen in unsere Kinder, welches uns heute leider in beinahe sämtlichen Bereichen fehlt, vor allem auch deshalb, weil uns dieses Vertrauen, seinerzeit selbst noch ein Kind, auch nicht vom Erwachsenen entgegengebracht wurde. Wir sind aufgrund dieser Erfahrung und der daraus entstandenen Glaubenssätze und Denkmuster absolut überzeugt, dass Kinder nicht wüssten, was sie bräuchten. Wir halten sie tatsächlich für unfertige kleine Wesen, die wir zu etwas gescheitem zu machen haben. Wir sehen dies sogar als unsere erzieherische Aufgabe und Pflicht, weshalb wir ihnen wie selbstverständlich vorgeben, was sie wie, wann und wo zu tun haben.
Wozu?
Zu ihrem besten natürlich!
Oder eventuell doch eher, um unser eigenes Ziel zu erreichen?
Ein wohlerzogenes Kind, das so ist, wie Welt, Gesellschaft und somit auch Eltern und Lehrer als quasi verlängerter Arm, es haben möchten.

Schule
Wer hat sich noch nicht Fragen, wie
„Was habe ich eigentlich in der Schule gelernt?“
„Was davon hätte ich mir heute selbst, in einem Bruchteil der damaligen Zeit beibringen können?“
„Was davon ist überhaupt auch nur ansatzweise relevant für meinLeben?“
Meine Antworten auf all diese Fragen, lassen mich an der Notwendigkeit von Schule, in der Form, wie wir sie kennen, zweifeln.
Außer lesen und Grundrechenarten ist bei mir wenig hängen geblieben. Beides könnte ich mir heute als Erwachsener wohl in 2-3 Monaten autodidaktisch beibringen. Warum wurden mir, werden Kindern, dennoch Jahre ihrer Kindheit geraubt, um sie gegen stundenlanges herumsitzen, zuhören und auswendiglernen (oft unter Zwang!) zu tauschen? Wenn es doch bei den meisten von uns so wenig zurück lässt, offenbar also noch nicht mal wirklich „funktioniert“? Welchem Zweck dient Schule, wenn sie es schon nicht den Menschen tut, die angehalten sind, sie zu besuchen?

Artgerecht ist ein populäres Thema heutzutage- Tierhaltung, Ernährung usw.-das ist ebenso wichtig, wie großartig. Sollten wir aber nicht zu allererst dort aufräumen, wo alles beginnt?
Bei den Kindern?
Was ist eine artgerechte Kindheit?
Nicht nur in Bezug auf Schwangerschaft, Geburt und vielleicht noch die ersten Baby- und Kleinkindjahre. Schutz und Achtung der Kindheit darf weder mit Schuleintritt und auch nicht mit der Pubertät vorbei sein, noch an Bedeutung verlieren. Schule, wie sie sich uns seit Jahrzehnten darstellt jedenfalls, ist nicht artgerecht meiner Meinung nach. Wenig wiederum aber ist artgerechter für ein Kind, den Menschen im allgemeinen, als zu lernen. Dieser Gegensatz ist für mich mehr als unstimmig, und es scheint mir fragwürdig, dass wir unsere Kinder diesem System aussetzen (müssen?). Dazu unabhängig davon, wie es ihnen damit ergeht. Wie kann es sein, dass der Staat über einen so großen Teil der Lebenszeit unserer Kinder, ihre Kindheit, bestimmt?

Das Recht auf Bildung ist ein Menschenrecht gemäß Artikel 26 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Inhalt ist der menschliche Anspruch auf freien Zugang zu Bildung, auf Chancengleichheit sowie das Schulrecht. Allerdings wird das, zumindest in Deutschland, leider eher weg vom „RECHT auf Lernen“ hin zur „SchulPFLICHT“ ausgelegt. Die Anwesenheit in einem Klassenzimmer hat aber nun mal nicht unweigerlich etwas mit Bildung zu tun. Nicht wenige lernen dort viel zu wenig bis fast gar nichts. Sowieso kann man niemanden zum lernen zwingen, ist dies, wie wir heute wissen, immer ein freiwilliger Prozess. Jedes Kind will von Natur aus lernen. Lernen kann nicht erzwungen werden. Kinder erspielen sich ihre Welt und lernen und begreifen dabei ganz nebenbei und dennoch individuell. Hier vielleicht etwas langsamer und dort womöglich schneller. Ganz sicher alles notwendige, dazu noch dieses und jenes. Manches aber auch eventuell gar nicht, weil es schlicht (noch) nicht von Interesse ist. Was genau ist die Sorge hierbei?
Schule negiert eine essentielle Tatsache: Wir sind nicht alle gleich! Es genügt meiner Meinung auch nicht, einem Kind anzubieten, sich zwischen Mathe und Deutsch am Vormittag entscheiden zu dürfen- denn was ist, wenn es sich lieber mit Biologie oder Fußball befassen mag? Was wäre verkehrt daran? Bzw. wieviel bringt es wem, wenn dieses Kind sich nun aus der Not heraus für Mathe „zwangsentschieden“ hat, aber dem Stoff ohnehin nicht folgen kann, weil es schlicht nicht die erforderliche Motivation dafür aufbringen KANN? Nach zahlreichen Erfahrungen mit verschiedensten Schulen und Kindergärten, muss ich für uns feststellen, dass der Indvidualität des Kindes meiner Meinung nach, kein mir derzeit bekanntes und anerkanntes Schulkonzept wirklich gerecht wird. Ich weiß aber, dass aktuell einige neue Schulen gegründet werden und verfolge das mit großer Begeisterung- es passiert was!

Beenden wir die Jahre des „freien spielens“ der Kinder nun (spätestens) im Alter von 6, weil dann der „Ernst des Lebens“ (die Schule) beginnt, unterbinden wir im selben Zug den natürlichen Lernprozess. Dieser wird zwangsweise zielgerichtet. Lernen, um zu gefallen,  gute Bewertungen und Lob zu erhalten verdrängt das kindliche Lernen, als das, was es meiner Auffassung nach sein sollte- ein freiwilliger, von innen gesteuerter und sich dadurch dann letzlich von selbst ergebender Vorgang- Dinge wahrhaftig verstehen und begreifen, statt auswendig zu lernen und Inhalte im Kurzzeitgedächtnis abzuspeichern.
Diese Art des Lernens ist nur möglich, wenn ihr, wie zahlreiche Studien belegen, Begeisterung als Grundlage dient. An dieser Stelle verweise ich gern auf ein aufschlussreiches Interview mit dem Neurobiologen und Lernforscher Prof. Gerald Hüther: „Wissen kann man nicht beibringen“

Wie begeistert sind Kinder in der Schule, bei dem, was sie dort tun (sollen). Schliessen sich nicht „müssen“ und  „intrinsische Motivation“ sogar aus? Woher kommt die Angst, ein Kind, welches nicht dazu angehalten oder gezwungen wird, würde nie etwas lernen- nie etwas werden? Wo wir doch unsere Kinder von Tag 1 an dabei beobachten können, wie sie andauernd lernen- ganz ohne unser zutun. Jedes kindliche Spiel dient genau diesem einen Zweck- sich weiterzuentwickeln. Warum haben wir das Bedürfnis, diesen Vorgang zu unterbrechen, einzugreifen und vor allem ein Tempo vorzugeben?
Oder zumindest spätestens von der Schule vorgeben zu lassen.
Zu diesen Fragen und vor allem Antworten darauf, empfehle ich André Stern.

Meine älteste Tochter studiert derzeit BWL und Wirtschaftspsychologie, während mein zweitältester die Oberstufe des Gymnasiums besucht. Meine beiden kleineren sind kindergarten- und schulfrei. Wir leben also beides- mit Schule und ohne.

Ich bin keine Freibildungsexpertin und kann und möchte keine rechtlichen oder auch nur informativen Tips zu dem Thema weitergeben.
Wer sein Kind, in Deutschland zumindest, entgegen der Schulpflicht nicht in diese schickt, macht sich strafbar- das ist nicht meine Empfehlung!
Selbstverständlich bin ich informiert über aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zu genannten Themen. Mir ist ebenso bekannt, dass es zu beinahe jeder „belegten“ Studie eine passende Gegenstudie gibt. Meine Hauptmotivation erschliesst sich allerdings ohnehin zunächst aus meiner moralischen Haltung meinen Kindern gegenüber. Wie kann ich meinen Kinder authentisch versichern, „sie seien gut, wie sie sind“, und sie parallel in eine Einrichtung schicken, in welcher ihnen tagtäglich das Gegenteil vermittelt wird?
„Du bist gut, wenn Deine Leistungen gut sind!“, das ist die Botschaft, die Schule an unsere Kinder richtet. Das passt für mich nicht zusammen.

Ich bin nicht gegen Schule!
Jeder Mensch hat ein Recht auf Bildung. Nicht allen Eltern ist die Sicherung dieses Anspruchs möglich, und somit kann die Institution Schule durchaus sehr sinnvoll genau dort ansetzen und enormen Mehrwert bieten. Nötig aber, dass sie zu einem Ort wird, wo genau das möglich ist. Ein Ort, an dem Kindern Vertrauen, statt Misstrauen entgegengebracht wird.

Schule sollte einen Mehrwert für das Kind darstellen, statt das Kind zu einem Mehrwert des Systems machen zu wollen- das ist grober Mißbrauch der Kindheit, der aufhören muss!

Ein Ort sollte sie sein, an dem Kinder Begeisterung erleben und somit ganz natürlich und individuell sein, spielen, lernen- ihrem Recht nach Bildung nachkommen können. Ohne Vorgaben. Als das, was sie sind. Frei von Belohnung, Bestrafung oder sonstigen Manipulationsbemühungen, die mich zumindest, stets an eine Form der Dressur erinnern und ohnehin nicht nur erwiesener Maßen zweck-, sondern absolut respektlos sind.
(„Warum wir unsere Kinder nicht bestrafen sollten“ beim Gewünschtesten Wunschkind)

Wenn wir Kinder in Ruhe (MIT uns) SEIN lassen, WERDEN sie von ganz allein.
Unsere Aufgabe besteht allein darin, ihnen ein artgerechtes Umfeld und Bedingungen zu ermöglichen, um sich darin frei und natürlich bewegen und entwickeln zu können. (Über „Artgerchte Kinderhaltung“ bei Dr. Herbert Renz-Polster)
Das braucht Vertrauen und Rückbesinnung auf das, was den Menschen ausmacht- vom Tag seiner Geburt an, ein von Natur aus kompetentes und soziales  Wesen, dessen großes Ziel es ist, sich durch Weiterentwicklung (lernen) selbst zu verwirklichen und dabei dennoch (s)einer Gruppe, seiner Familie, letztlich der Gesellschaft anzugehören. Wie aber soll sich ein Kind einer Gesellschaft anschliessen können, die ihm alles andere als zuträglich ist und seine Natur und Bedürfnisse und somit auch seine Würde missachtet?
Wichtig für mich dabei: Unsere heutige menschliche Natur ist nicht mehr 1:1 jene, die sie vor hunderten von Jahren war. All die ständigen Vergleiche mit irgendwelchen Naturvölkern hinken meiner Meinung nach manchmal doch ziemlich. Der Mensch hat sich und seine Bedürfnisse durchaus verändert. Wir, geschweige denn unsere Kinder, passen diesbezüglich zwar noch längst nicht in unser heutiges Surrounding, in der Steinzeit würde es allerdings auch keinem von uns mehr gut gehen. Da gilt es grundsätzlich, aber auch unbedingt individuell, rauszufinden- was brauchen wir, was brauchen unsere Kinder wirklich, statt wie müssen wir und sie sein, um in diese aktuelle Welt zu passen.
Auch, weil die heutige Welt unserer Kinder wenig mit der zu tun hat, in welcher sie später leben werden. Diese Welt kennen auch wir Erwachsenen nicht sicher, und somit können wir niemanden verlässlich darauf vorbereiten. Herrlich relativierend, sich bewusst zu machen, wie imaginär doch die Zukunft ist, von der wir zu gern sprechen.

So ist genau das mein Punkt- die Gesellschaft, der Erwachsene, wir Eltern müssen uns ändern- unseren Blick auf’s Kind, anstatt das Kind permanent zu ändern, vermeintlich zu verbessern versuchen!
Kinder kommen bereits gut auf diese Welt. Vollständig ausgestattet mit allen notwendigen Anlagen, deren Entwicklung vor allem eines benötigt- Zeit. Es ist mir ein Anliegen, Menschen dafür zu sensibilisieren, dies bewusst wahrzunehmen und eben diese Kompetenz und das Gute weder zu zerstören, noch verändern zu wollen.
Dafür muss man als Familie weder auswandern, noch als Hippie oder Konsumverweigerer in einem Land ohne Schulpflicht leben. Für mich zugegebener weise durchaus verlockend, in jedem Fall mehr als bewundernswert, aber letztlich nicht unser Weg.

Die Freiheit des Seins ist ein Menschenrecht, dass somit eben auch dem Kind zusteht. Natürlich sind Kinder von Natur aus immer abhängig von uns Eltern. Es ist jedoch an uns, wie wir diese, uns gegebene Macht nutzen. Wenn wir uns darauf konzentrieren, diese Überlegenheit zum Schutz statt zur Bevormundung des Kindes zu nutzen, dann wird die kindliche Abhängigkeit zu einer unverzichtbaren Sicherheit, die es aufgrund seiner fehlenden Erfahrung überlebensnotwendig braucht. So kann ein Kind dann sehr wohl, trotz dieser natürlichen Unterlegenheit, eine (so) freie (wie mögliche) Kindheit erleben, um daraus dann als Erwachsener hervorzugehen, der SELBST wählen KANN, von wem und wovon er abhängig sein will. Komplett unabhängig sind wir Menschen nämlich ohnehin nie. Die Freiheit aber zu sein, zu werden, wer und was immer es sein möchte steht ihm von Anfang an zu. In der Realität wird diese ihm aber allzu bald genommen, indem von allen Seiten versucht wird, es in eine gewünschte, akzeptable Richtung zu (ver)formen. Seine Kinder „gut zu erziehen“, gleicht oft eher einem zurechtstutzen, statt einem liebevollen miteinander Lebens auf Augenhöhe.  Es braucht einen Befreiungsschlag für unsere Kinder und ihre Kindheit, mit dem Ziel, dass dieser irgendwann nicht mehr nötig sein möge. Das wird der Fall sein in einer Welt, in der nicht nur der Wert des Kindes gleich dem des Erwachsenen ist, sondern in welcher alle Menschen gleichwertig sind.
Das wünsche ich mir.

Es geht für mich daher schlussendlich weniger um die Frage „Schule ja/nein?“, noch um „Erziehung ja/nein?“, sondern vor allem um ein Menschenbild- wie siehst, wie möchtest Du den Menschen sehen? Allein das bestimmt, wie Du der Welt, den Menschen darin, Deinem Kind und schliesslich auch Dir selbst begegnest.

Freies Sein, Werden und Lernen sind wesentliche Aspekte einer freien Kindheit, die jedem Kind zusteht!

It is easier to build strong children, than to repair broken adults.{Frederick Douglas}

Essentiell dabei:

Wir Eltern müssen zunächst (wieder) FREIwerden,
damit unsere Kinder freiWERDEN können.


Elternschaft ist für mich Synonym eines authentisch gelebten Menschenbildes- Kinder sind Menschen!

Dies ist (m)ein Weg, den niemand gehen MUSS.
Ohnehin nur gangbar aus freien Stücken.
Es lohnt sich aber sehr, wie ich glaube.
Für Alle!

Olivia.

FREIgeist| HUMANistische EXISTENTialistin

Eltern|Kind|Gesellschaft| radikal neudenken.
(Radikal: v. lat.: radix ‚Wurzel‘, ‚Ursprung‘)


Zur Info:

Anfügen möchte ich, dass ich stets von, in jeder Hinsicht, gesunden Kindern spreche. Zudem ist jedes Kind, jeder Mensch verschieden, weshalb jede menschliche Beziehung, und somit auch jede Eltern-Kind-Beziehung, eine individuelle ist. Um in echter Verbindung mit unseren Kindern zu stehen, müssen wir uns unbedingt speziell auf jedes einzelne Kind einstellen. Dennoch haben aber ganz unabhängig davon ALLE Kinder ein Recht auf die freie Entwicklung ihrer Persönlichkeit und den Schutz ihrer Würde.
Diese Grundlage ist für mich unstrittig!
Mir ist natürlich bewußt, dass es Erkrankungen oder sonstige Umstände gibt, die besonderer Förderung und Unterstützung bedürfen- darum geht es mir hierbei nicht.
Meine Gedanken stellen lediglich eine (meine!) grundsätzliche Betrachtung der Kindheit und mein Handeln keine allgemein gültige Empfehlung dar.
Ich erhebe dazu keinerlei Anspruch auf alleinige Richtigkeit.