Wurzeln und Flügel?

Wurzeln und Flügel?

 
 
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Wenig Unterschied seh’ ich zwischen

Sprichwörtern und Glaubenssätzen.

Manch Weisheiten so arg dumm sind

„Was Hänschen nicht lernt…“ zum Beispiel Unsinn.

Doch auch was gut klingt

nicht immer (nur) Sinn bringt-

„Gebt Kindern Wurzeln und Flügel!“

Viele sagen „Stimmt!“, doch ich sage „Lüge“! (*s.a. Anmerkung unten)

Warum?


KINDER

kommen auf die Welt,

überzeugt davon,

sie könnten ALLES sein,

was ihnen gefällt.

Nicht unser Recht,

ihnen diesen GLAUBEN

allzu bald zu rauben!

ECHTE Limitierung zeigt sich

ohnehin von selbst.

 

Elterliches Ego, zu meinen,

man hätte, was ein andrer nicht hat,

und deshalb von uns bräuchte.

Flügel gar? Wie vermessen!

Jedes Kind bereits ein Engel,

Und Engel haben schon Flügel.

Und wozu bitte Wurzeln geben?

Gravitation wirkt doch auf jeden.

Das dürfte jawohl reichen!

 

Aber Wolfgang hat gesagt?

Mag sein-

doch ich glaube nicht an Goethe.

Ich glaube an vollkommne Schöpfung

und auch an VERBINDUNG.

FLEXIBLE Sicherheit gebend,

statt fest verankert- schwebend.

Alles bewegt sich-

Wurzeln ächzen,

statt zu SCHWINGEN,

wenn man seine Flügel

schwingen möchte.

 

Zudem werden diese

ach so nöt’gen Wurzeln,

viel zu oft,

weil viel zu einfach,

als Rechtfertigung gebraucht,

Beschneidung zu nutzen,

und Flügel zu stutzen.

 

Kinder müssen nicht DURCH uns

verwurzelt werden.

Sind ohnehin bereits verursacht,

entsprungen, begründet in sich selbst,

wie jede Existenz stets schon alles in sich trägt.

Kinder nicht defizitäre Wesen,

denen wir Essentielles geben

müssten- wer sind wir schon,

dass wir das könnten?

 

Kann nur Entfaltung von dem was eh ist

behindert oder erleichtert werden.

Durch unser Vertrauen, statt Wurzelkraft

ist und bleibt das, was sie hält,

die Radix ihres Lebens- sie selbst!

 

Nur wer sein Kind zuvor entwurzelt

muss ihm im Anschluss welche geben.

Eltern Aufgabe ist zu pflegen,

jede einzelne Faser sehen

diese kindliche Basis hegen,

sie als Nährboden umgeben-

mit Erde aus LIEBE.

Damit das Kind wächst und gedeiht,

SEIN Ursprung ihm aber weiter

Ausgangspunkt und Quelle BLEIBT

nicht unsre Wurzel, die es treibt!

 

Kinder wollen fliegen,

und das weder fremd getrieben

doch auch nicht einsam in der Leere.

Hoch, wie es IHRE Basis zulässt,

daher wichtig,

dass sie diese selber sind.

Keiner, der sie fremd bestimmt.,

auch nicht dessen gut gemeinte,

dennoch fremde Wurzeln.

 

Was sie wollen ist Gemeinschaft,

der Mensch nur in Verbindung Sinn hat.

Deshalb fliege wir MIT ihnen,

ohne aktives steuern und bremsen-

Unser Gewicht passiv natürlich schon

Lenkung und Erdung genug.

Seh’n zu, dass gesund ist, was wir wiegen,

statt ein zu viel auf’s Kind abzuschieben,

welches es bloß nach unten zieht.

 

Wie es denn sonst wieder runter geht?

Wie schon gesagt-

runter geht es

eh magnetisch,

per Erdanziehungskraft.

Dort, wo ihr BEIDE wollt,

statt EINER nur von Euch

einst seine Wurzeln schlug.

Immer woanders,

immer gemeinsam.

VORERST, denn #timeflies

GUTEN FLUG!

(*)Anmerkung:
Ich mag das Sprichwort. Man kann es ganz wunderbar oder aber auch anders auslegen. Gerade die Umsetzung von „Wurzeln geben“, geht für mein Empfinden doch oft an der durchaus positiven Metaphorik vorbei…
Ja, „Lüge“ ist ein starkes Wort- es soll aufmerksam machen. Ich nutze es hier eher als Synonym für „in meinen Augen unzutreffend“, was die Aussage „Kinder brauchen Wurzeln und Flügel VON UNS“ betrifft. Ich meine es nicht als Lüge in Form von „wissentlicher Falschaussage.“ Ich verteufle demnach Goethes Zitat nicht absolut- ich mag ihn nämlich sehr. Dennoch möchte ich unbedingt darauf aufmerksam machen, dass „Kindern Wurzeln geben“ eben durchaus oft und „gerne“, meiner Sicht nach, falsch verstanden wird. Auch möchte ich darauf hinweisen, dass wir den Kindern, so viel weniger geben müssen, als, dass es eher darum geht, dass sich das, was ohnehin schon da ist in ihnen, in aller Ruhe entfalten kann. Für mich ist es immer wieder wahnsinnig aufschlussreich, gerade die Dinge runter zu brechen, die mir und generell zunächst logisch und richtig erscheinen, um mir sowohl ihrer Bedeutung, als auch meiner eigenen Auslegung/Umsetzung (und der anderer!) wirklich bewusst zu werden.


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5 Antworten auf „Wurzeln und Flügel?“

  1. Das ist recht schön geschrieben. Doch das Wort Lüge (vielleicht auch nur um aufmerksam zu machen) finde ich hier unangebracht. Ich kann Deinen Worten und Gedanken folgen und sie gut mitempfinden. Genauso kann ich Schönheit in Goethes Worten finden. Denn sie sind ja metaphorisch gemeint. Wurzeln als Geborgenheit, Sicheres Grundgefühl, Liebe die einen im Leben erst ankommen lässt, Beheimatung erlaubt. Das da jemand schon ist, der ankommt , schließt das nicht aus. Flügel als Symbol für freilassende Liebe, Ermunterung zum selbst-sein, Hinweise auf die Schönheit und Weite der Welt. Das bedeutet noch lange Nicht, dass ich schon überall dort war oder alles kann. Es bedeutet für mich schlicht ein schönes Bild von geborgener und freilassender Liebe , woran sich Verbundenheit mit dem Leben und ein Blick fürs große Ganze und Mut für eigene Aufgaben entwickeln kann.

    1. Liebe Katharina,
      Ja, Lüge ist ein starkes Wort, und Du hast recht- es soll auch aufmerksam machen. Ich nutze es hier eher als Synonym für „in meinen Augen unzutreffend“, was die Aussage „Kinder brauchen Wurzeln und Flügel VON UNS“ betrifft. Ich meine es nicht als Lüge in Form von „wissentlicher Falschaussage.“ Ich will Goethes Worte nicht verteufeln, aber unbedingt darauf aufmerksam machen, dass Wurzeln geben eben schon oft und „gerne“ falsch verstanden wird. Und aber auch eben darauf, dass wir den Kindern so viel weniger geben müssen, als, dass es in meinen Augen eher darum geht, dass sich das, was ohnehin schon da ist in ihnen, in aller Ruhe entfalten kann. Aber Du hast recht, ich füge am Ende des Textes gleich mal an, was ich Dir hier nun schrieb. Vielen Dank für Deinen Anstoß!
      Olivia

      1. Vielen Dank für Deine schöne Antwort! Ja, das mit dem Geben kann man natürlich auf Liebe und damit einhergehend Aufmerksamkeit und fürsorgendes Da-Sein durchaus quasi „beschränken“ (wobei das natürlich ein unendlich weites Arbeitsfeld in punkto eigene Weiterentwicklung darstellt ; )) . Aber wir haben ja so einen immensen Einfluss und an manchen Stellen merke ich, z.B. bei meiner Liebe zur Natur etc., das gebe ich gerne weiter. Natürlich nur durch vorleben. Und jedes meiner drei Kinder nimmt es ganz anders auf oder an oder eben nicht. Wir geben Ihnen auf jeden Fall etwas mit! Die Frage sollte nur sein was oder vor allem wie. Damit meine ich nicht was herkömmlich Erziehung genannt wird….

  2. Liebe Olivia, toll geschrieben! Aber ist denn das Sprichwort nicht im übertragenen Sinne zu verstehen? Du nimmst Flügel und Wurzeln wirklich sehr wörtlich, wie ich finde.
    Ich verstehe es eher so, dass man Stütze ist, Hilfestellung gibt, wenn sie gebraucht wird, und da ist, wenn es drauf ankommt. Immer. Das sind für mich die „Wurzeln“. Flügel stehen für die Freiheit, die man den Kindern lässt, um sich zu entfalten, sich selbst auszuprobieren und zu entdecken. Nicht klammert und nicht einengt oder einschränkt.
    Wenn man es so versteht (wie es auch meiner Meinung nach gemeint ist), steht dieses Sprichwort dann nicht für all das, was „Unerzogen“ ausmacht?!
    Liebe Grüße, Yvonne

    1. Liebe Yvonne,
      Ja, so ausgelegt gehe ich mit!
      Gerade das „Wurzeln geben“ erlebe ich aber doch all zu oft ganz anders…
      Einige Eltern verstehen „Wurzeln geben“ vielmehr als Synonym für „den Kindern Regelwerk und Benehmen mitgeben“, also ziemlich gegenteilig, wie Du (und ich auch) es verstehst.
      Wie ich in der Anmerkung schon schrieb- für mich ist es immer wieder wahnsinnig aufschlussreich, gerade die Dinge runter zu brechen, die mir und generell zunächst logisch und richtig erscheinen, um mir sowohl ihrer Bedeutung, als auch meiner eigenen Auslegung/Umsetzung (und der anderer!) wirklich bewusst zu werden.
      Ich danke Dir für Deinen Kommentar- schön, dass Du hier bist!
      Ganz liebe Grüße zurück,
      Olivia.

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